Die tatz. Ausgabe 01/2006.

Stratedings
Entscheidende Kommunikationen im ersten Herbst

Eine Einführung in die Spielprinzipien des NP anhand einer beispielhaften Partie.

Teil 2: Herbst und Winter 1901

Von Michael Werner aka micbot

In diesem Teil 2 der Serie über NoPress und die NP192 geht es um den ersten Herbstzug (Herbst 01), in dem die Einheiten schon in Position sind, einen Zug anzeigen zu können. Auch stehen damit die ersten Aufbauten an (Winter 01), denen in NP eine besondere Signalwirkung zukommt.



DEUTSCHES REICH

Den H. Kie – Hol. Ruh – Mun. +F Kie

Zu Kie-Hol ist nicht viel zu sagen, einzig, dass der Zug (ohne Support aus Ruh) von Nth gebounct werden könnte. Spannender ist der R-freundliche Zug Den H. Swe ist das einzige Feld am Brett, das im H01 mit militärischen Mitteln nicht erobert werden kann. Ausser im NP seltenen Fall, dass bereits im F01 ein Juggernaut offensichtlich ist (bspw. bei Ank-Con & Sev-Rum), gibt es eigentlich keinen Grund, dem Russen Swe nicht zu geben, wie Eric Metzen in seinem Artikel "Strategie der Nationen – Deutschland" (allerdings zu Press) recht humoristisch erläutert.

Ruh hat 3 sinnvolle Möglichkeiten im H01: Hol, Bel und Mun. Den Zug nach Hol zu sichern kann nach Nrg/Nth (& R nicht Mos-StP) ratsam werden, wobei Nwy mit/über Nrg eingenommen und Nth sofort gegen D eingesetzt würde. (E-Signal an F). Bel kann von allen drei Nationen genommen werden, was nicht selten zu einem Bounce führt – daher auch der Support quasi "ins Blaue" im H01, der oft überraschend erfolgreich verläuft. Unter der Annahme, dass E nicht nach Bel spielt (namentlich nach Eng/Nth mit Bounce im Kanal) könnte D den Ball an F übergeben, indem es mit Ruh-Bel München offen lässt. Sollte F feindliche Absichten haben und Bur-Mun spielen, gelingt Ruh-Bel samt 2. Build (notwendigerweise +A Kie & +A Ber) und die Fronten zwischen D und F sind klar. Andernfalls, wenn F ebenso nach Bel spielt, gibt es einen Bounce und D hat zumindest eine Runde gewonnen, um zu sehen wie sich E entscheidet. D kann in der nächsten Runde eine Nation in das dann freie Bel supporten oder schon im H01 mit den Builds (aus Den & Hol) an die britischen Züge anknüpfen (bspw. WENN Eng-Bre DANN +A Mun, +A Kie SONST +F Kie, etc.).

Da in unserer Partie zudem noch eine italienische A Tyr steht, entscheidet sich D für die Sicherheitsvariante und deckt Mun.

Builds

D baut +F Kie, den Standard-Build im H01 ist (siehe auch die Anmerkung zu F); jedoch keine 2. Einheit, was vermutlich ein vergessener Aufbaubefehl ist. Hier wäre allerdings auch denkbar, dass D den Build absichtlich nicht befohlen (man sagt: „gewaived”) hat, um ihn sich für H02 aufzusparen. Der Gedanke dahinter ist etwa folgender: D zieht Ruh-Mun und erwartet einen Bounce mit I und/oder F, was mit +A Mun eine sichere wie flexible Kernstellung ergeben hätte (Hol, Kie, Ruh, Mun). Da nun weder I noch F feindlich gezogen haben, hat D keinen offensichtlichen Feind und möchte sich noch nicht festlegen und insbesondere die Option eines weiteren Flottenbuilds offen halten; zwar riskant aber derart vorstellbar: "Ich sehe zwar schwach aus, kann aber einem Angreifer sofort eine neue und passende Einheit (A od. F) hinstellen".

Prinzipiell sind 2 Flottenbuilds gegen E gerichtet, 2 Armeebuilds gegen F – in beiden Fällen mit der Festlegung auf einen Feind sowie Schwächung der Verteidigung gegen die andere Nation. Folglich ist es – gemäß der Sicherheitsprämisse (und auch wegen der Flexibilität) – ratsam, in jedem Fall eine Armee und eine Flotte zu bauen. Um mit einer Flotte E nicht zu erzürnen, könnte in Ber gebaut werden: +A Kie, +F Ber, womit signalisiert wird: "Ich bin nicht schutzlos, aber meine Flotte ist keine unmittelbare Bedrohung für dich". Mögliche Folgemanöver sind Ber-Bal mit Interesse an Swe, ebenso der Rochade-Möglichkeit Den-Hel/Skag, Bal-Den) oder abwartend Kie-Ruh, Ber-Kie (mit der lebenswichtigen Verteidigungsmöglichkeit von Hel) und die Flotten sind in einer zwar nicht unmittelbar drohenden aber dennoch aktiven Position (Den, Kie).

ENGLAND

Eng-Bre. Yor – Nth – Nwy. Nth C Yor – Nwy. +F Liv, +A Lon.

E spielt den Standard-Convoy nach Nwy. Wenn die Armee anderweitig eingesetzt wird (via Eng nach Bel od. Bre/Pic) kann Nwy auch mit der Flotte Nth besetzt werden, was jedoch zwar nicht unmittelbar (D: H01: Den/Hol-Nth ist selten) aber dennoch riskant ist als das britische "Hausmeer" Nth nie leer gelassen werden sollte. Nach Nrg/Nth wird i.d.R. die Armee nach Bel od. Hol/Den *bounce* convoyt und Nrg-Nwy gespielt.

Wie im vorigen Teil zu F01 beschrieben kann der Zug nach Eng mehrerlei bedeuten und muss nicht undbedingt feindlich gemeint sein. Mit Eng-Bre ist jedoch der Angriff eröffnet und D kann sich aussuchen, ob er mit- oder gegenzieht. Ein weniger aggressiver Zug wäre nach Bel gewesen, was E einen "friedlichen" Build beschert bzw. bei einem Bounce seiner starken Position in Eng nicht schadet – die F Eng kann (wenn überhaupt) frühestens im H02 nach Por-MAt S by Bre vertrieben werden.

Der Vollständigkeit halber sei noch auf das selten gespielte Manöver Eng-MAt hingewiesen, was darauf abzielt, die 50:50-Chance (F: Bre od. Por) zu umgehen und in beiden Fällen den taktischen Vorteil mitzunehmen. Wenn F in Bre bouncen will (MAt-Bre ohne Pic-Bre *bounce*), ist es nach F02: Lon-Eng S by MAt & H02: Eng S MAt H mit nur 2 Flotten vollkommen bewegungslos. Wenn F Por nimmt und in Bre baut, wird anders als beim Rückzug aus Bre die A Spa gebunden (wegen F02: Rz: MAt-Spa, H02: Spa-Por) und zudem sind aktive Rückzüge nach Wes oder Iri/Nrg möglich.

Builds

E baut +F Liv, was praktisch immer der Beginn eines Angriffes auf F ist. Dazu +A Lon, wohl für einen Convoy nach Bre/Pic oder Bel gedacht, was als Signal an D gedeutet werden muss. Ein verstärktes Interesse in Skandinavien durch Nwy-Fin & Lon-Nth-Nwy ist noch denkbar, aber in der vorliegenden Situation etwas verfrüht. Unwahrscheinlich aber möglich wäre ebenso eine Angriffsrochade mit Nth-Hel, Eng-Nth & Convoy – dies allerdings sollte FRA mit +F Edi angezeigt werden. Bleiben wir beim wahrscheinlichen Fall, der Fortsetzung des Angriffs auf F. Fraglich ist hier vor allem, ob D das (hier einzig sinnvolle gemeinsame) Armeemanöver Lon-Nth-Bel vorhersieht und supportet bzw. supporten will (natürlich ist auch ganz und gar nicht sicher, dass E die Armee mit diesem Gedanken baut ;o). +F Lon würde ebenso den Angriff auf F unterstützen und wäre flexibler als sich auf die eben erwähnten Unsicherheiten einzulassen.

Grundsätzlich sollte E im H01 auf Armee-Builds verzichten, der Defensiv-, aber oft F-feindlich interpretierte Build ist +F Lon. Das Bündnissignal an F ist +F Edi (insbes. nach der „E/F-Eröffnung” E: Nrg/Nth, F: Bre-MAt). Der zweiten Build nach F-Support nach Bel müsste +A Lon sein, da eine F Lon immer eine Bedrohung für F darstellt. Dem (unangezeigten) D-Support nach Bel im H01 folgt offensichtlicherweise +F Iri & Angriff.

FRANKREICH

Bur – Bel. Mar – Spa. Mat – Por. +A Par, +A Mar

F ist angesichts der britischen F Eng in arger Bedrängnis. Er hat grundsätzlich 2 Optionen: 1) Bre decken, auf Bounce hoffen und WENN Eng-Bre DANN +F Bre(bzw. nur +F Bre, was ohne Bounce ja nicht ausgeführt würde) bzw. nach F01: Par-Pic einen Doublebounce spielen, sowie 2) Por einnehmen und hoffen, dass E friedlich ist; was hier keine gute Wahl war.

In Bur hat F zwei Möglichkeiten, Bel oder Mun/Ruh für einen Angriff auf D (bzw. Bur-Mar bei einer italienischen A Pied). Angesichts der gefährlichen F Eng zieht er nach Bel, weil er sich bei Mun oder Ruh mit hoher Wahrscheinlichkeit einen zweiten Feind schaffen würde.

Builds

Mit dem Verlust von Bre baut F natürlich +A Par. Der zweite Build +A Mar bringt F in die dauerhafte Defensive vs. E, weil F in jedem Fall eine weitere Flotte braucht, um MAt und später (wenn überhaupt) Eng zurückzuerobern zu können – folglich wäre +F Mar militärisch besser. +A Mar hat jedoch eine diplomatische Komponente: Durch den Ausbau der Landverteidigung wird es für D unattraktiver, diesen langwierigen Kampf gegen F zu führen und lukrativer, E zu stabben.

Für 2 Armeen- oder 2 Flotten-Builds gilt ähnliches wie für D: 2x Armee vs. DEU, 2x Flotte vs. ENG mit dem Unterschied, dass die französischen Builds flexibler einsetzbar sind: Mar-Spa-MAt od. Bre-MAt-West im "riskanten" EF. Ebenso gilt die Anmerkung bei D zum Build an "ungünstiger" Stelle (+F Ber) mit der Ergänzung, dass +F Mar oft zu italienischen Abwehrmaßnahmen führt (i.d.R. I: Ion-Tys).

Um nicht alle Verteidigungschancen gegen E zu verlieren ist prinzipiell der Build der Wahl im H01 immer +F Bre, auch im – bereits angezeigten (bspw. Bur S Yor-Bel) – Bündnis mit E (!). Um ein Signal zu senden od. zu bestätigen kann aber auf den 2. (Flotten)Build im H01 verzichtet (+A Par, waive) oder mit +A Par, +A Mar ein Angriff auf D angezeigt werden. Mit nur einer Flotte ist jedoch E dauerhaft in der Lage, F jederzeit risikolos anzugreifen. Deshalb ist es ratsam, auch im Bündnis mit E aus Sicherheitsgründen zumindest im H02, spätestens 03 eine Flotte nachzubauen.

Abschließend sei erwähnt, dass bei unbesetztem/französischem Eng – noch vielmehr als D – F die Option offensteht, den 2. Build zu waiven und damit sicherheitshalber E nicht mit (aus obigen Gründen) +F Bre zu irritieren. Ausserdem wird die klare Drohung ausgesprochen: WENN D ® Bur(Bel) DANN +A Mar bzw. WENN E ® Eng [F Eng retreats to MAt] DANN +F Bre. Selbiges gilt für die Sicherheitseröffnung mit Bounce im Kanal, wobei die Eroberung von Por grundsätzlich für H02 aufgespart wird.

ITALIEN

Tyr – Iri. Apu – Ion – Tun. Ion C Apu – Tun. +F Nap, +F Ven

I setzt seine abenteuerliche Eröffnung fort. Die A Tyr kann Mun, Vie, Tri einnehmen, nichts tun oder anzeigen: bspw. Tyr S Vie H. Da auch F vor Mun steht, geht er davon aus, dass entweder D Mun deckt und/oder F hinzieht, was Tyr-Mun wenig erfolgversprechend macht. In Ö stehen die Chancen 50:50, das richtige VZ zu erraten – mit, wie hier, einer leichten Tendenz zu Tri wegen dem beidseitig wirksamen Vie-Gal *bounce*. Im Mittelmeer keine Überraschung: Convoy nach Tun. Die zweite Möglichkeit wäre, Tun mit der F Ion zu nehmen und die Armee in Apu zu belassen für den Ö-Angriff H01: +F Ven, F02: Ven-Adr & Apu-Ven oder eine – vornehmlich Ö-freundliche – Anzeige (siehe unten).

Was ist von diesem Angriff zu halten? Nun, da Ö einen Aufbau aus Gre in jedem Fall bekommmt, ist die A Tri nicht zu halten und wird im F02 (ohne Cuts von R/T) verdrängt werden. Es kann nun geplant sein, "nur" einen 2. Build zu erhalten und keine weiteren VZ in Ö bzw. sogar (!) ein Bündnis anzustreben; in beiden Fällen sollte dies unbedingt mit einer gleichzeitigen Anzeige (bspw. Apu S Vie-Tri, Apu S Tri-Ven für "freiwilliger Rückzug" bzw. Apu S Vie-Ank für "Bündniswunsch mit italienischem Tri" ) ausgedrückt und nicht in Ven gebaut werden. S. Buhr hat die Triest-Variante schön beschrieben.

Hier sieht es aufgrund des Builds +F Ven sowie ausbleibender Anzeige allerdings nach einem Angriff auf Ö aus – was die österr. Kräfte zur Rückeroberung Tri’s zwingt und R/T indirekt einen Bündnis-Anreiz gibt.

Builds

+F Nap ist der Build des H01 an dem nur todeswütige „vorbeibauen” würden. Höchstens im Angriff auf Ö bei gleichzeitigem R/T-Konflikt mit Aussicht auf den 2. Build im H02 könnte stattdessen +A Ven gebaut werden (nebst Ion-Adr). Mit einem zweiten Build aus Tri, Mar, Mun od. Gre kann I anzeigen, in welche Richtung es geht: +F Rom deutet auf einen Angriff auf F hin, es kann aber ebenso nach Rom-Tyn, Nap-Ion, Ion-Aeg/Eas ein überraschender Angriff auf T erfolgen. Ein Build in Ven deutet auf einen Angriff auf Ö hin, wobei +A Ven effizienter ist als die Flotte wegen: OEU Gre-Alb => Gre an T übergeben & 2x ® Tri & Alb-Adr [*cut*] – sodass eine Rückeroberung Tri’s nur noch von der Adria aus möglich ist. Dafür ermöglicht der Flottenbuild anders als die Armee einen Angriffsabbruch mit Adr-Ion/Adr-Apu oder sogar eine Rochade in Richtung T.

ÖSTERREICH-UNGARN

Alb – Gre. Ser S Alb – Gre. Vie H. +A Bud

Mit einer A Tyr konfrontiert aber keinem eindeutigen Angriff (Tyr, Ven) ist Ö im Unklaren über die Interessen ITAs. Ohne eine A Tyr hätte Vie eigentlich kaum anderes zu tun als erneut in Gal zu bouncen oder R nach Gal zu lassen – bei gleichzeitiger Anzeige: bspw. Vie S Rum-Bul. Um gegen ITA zu verteidigen hat Vie eine 50:50 Chance. Mit Vie H war er zudem nicht gut beraten, weil Vie aufgrund des wahrscheinlichen Bounces in Gal auch so gesichert wäre (und für eine Anzeige war es nicht eindeutig genug).

Die grundsätzliche, zweite Option (siehe Teil 1, Einführung – Sicherheitsvariante) besteht im Wesentlichen darin, auf Gre zu verzichten und Tri zu sichern (optimalerweise wird auch Gal freigehalten) mit entweder F01: Tri H oder hier: Alb-Tri, Vie/Ser-Tri *bounce* & [i.d.R: konditioniert] +A Tri (+Flotte Tri wäre eine Annahme der Kriegserklärung bis zum bitteren Ende; bei +Armee Tri bleibt I die Möglichkeit, den Angriff abzubrechen). Bei diesen Verteidigungsbounces bleibt die F Alb in Alb und führt dazu, dass ITA in endlose Ratespiele verwickelt wird; was insofern gefährlich ist, als der Angriff auf Ö rasch abgeschlossen sein muss, um gegen die vorrückenden, verbündeten oder nicht verbündeten R/T mehr als nur Tri zu ergattern. Rätsel(bei)spiele: Alb-Adr [*cut*/*bounce*] bzw. Alb-Tri S by Vie/&Bud od. andersrum, Ser S Alb H gegen einen Convoy-/Auflösungsversuch, etc. Im H02 ist Tri i.d.R. rückerobert, dann geht das ganze von vorne los ;o)

Neben den direkten Angriffsmanövern kann die F Alb ausserdem direkt oder indirekt T nach Ion/Gre helfen, und schließlich – bei friedlicher A Tyr – ist die F Alb nach wie vor in Postion für einen eigenen supporteten Angriff auf Gre im H02. In unserem Fall, besonders angesichts des BLA-Bounces und der Flotte in Rum (die erst nach BLA/Sev abziehen, bei unsicherem T supportet werden muss, etc.) hätte dieses Manöver Ö zwar nicht glänzend aussehen, aber zumindest mehr Handlungsraum gelassen.

Der Vollständigkeit halber sei noch auf das Ratespiel am Balkan verwiesen, wenn Ö die F Tri defensiv einsetzt (Tri H bzw. Alb-Tri) und TUR Smy-Con nachrückt. T kann folglich Bul-Gre & Con-Bul spielen, was geradezu eine Einladung ist. Ö kann nun versuchen dies zu bouncen mit Ser-Gre. Allerdings, dies erwartend, könnte T ebenso einfach Bul-Ser spielen, was bereits der Todesstoß für Ö wäre. Die sichere Antwort auf dieses Ratespiel ist Ser-Bul *bounce*, um zumindest den Nachzug Con-Bul zu bouncen – auch hier sehen wir, dass der auf den ersten Blick feindliche Befehl nach Bul eigentlich nur der Sicherheitszug ist. Denn wenn T mit Ö zusammenarbeiten will und bspw. Bul S Vie-Mos anzeigt, passiert durch Ser-Bul nichts. Man sollte sich also in NP davor hüten, voreilig zu interpretieren.

Builds

+A Bud, hierzu ist nicht viel zu sagen; die einzige Möglichkeit. Bei der 5-VZ-Variante werden natürlich 2 Armeen gebaut und – es sei denn, es findet sich in naher Zukunft eine Variante, in der Ö über die Donau nach Bul/Rum kommt.

Nachsatz: Bündnis Ö/T

Ein i.d.R. für gänzlich unmöglich gehaltenes Bündnis am Brett ist Ö/T, aus offensichtlichen Gründen. Während ich diese Meinung in Press durchaus teile, möchte ich dies für NP mangels ausführlicher Absprachemöglichkeiten nicht zu 100% unterschreiben. Ich selbst habe als Ö einmal dieses T-lastige Bündnis bis zum 2er-Draw gespielt. Zwar ist die Stab-Versuchung für T gewaltig, andererseits können bis ins späte Mittelspiel die Interessenssphären getrennt werden, wenn T ausschließlich Flotten baut (und nach +A Con wird Ö, das immer 1-2 Einheiten in Reichweite (bspw. Gal, Bud, War) haben muss, sofort einen Defensivzug machen). Wichtig ist hier jedenfalls, zumindest Ser, das "Tor nach Mitteleuropa", immer besetzt zu halten – dann kann (mit der Betonung auf kann) ein Ö/T in NP gut gehen.

RUSSICHES REICH

Rum S Bla – Ank. Ukr S Rum H. War – Gal. Bot – Swe. +A War, +A StP

Nachdem bereits aus der Eröffnung F01 (Sev-Rum, Mos-Ukr) ablesbar war, dass R ein Bündnis mit T anstrebt, zeigt er dies nun deutlich an mit dem (zwar ungültigen, aber in NP immer veröffentlichten) Befehl: Rum S Bla-Ank, was soviel bedeutet wie: "Räume BLA!" bzw. "BLA = DMZ" . Mit der türkischen Flotte in BLA hat R zwei Möglichkeiten: Ukr S Rum H oder Ukr-Sev & Rum-Sev *bounce*, wobei letzeres den taktischen Kniff ermöglicht, im nicht-erratenen Fall die Flotte Sev aufzulösen und im Gegenzug +Armee Sev bauen zu können – was mit A War und A Ukr eine recht sichere Stellung ergibt.

Ein erneutes War-Gal ist ein Standardzug im H01 und wird üblicherweise nur beim Bündniswunsch mit Ö ausgelassen: War S Gal-Bud: "Gal = DMZ" od. War S Gal-Ank: "Auf geht’s!". Taktisch muss hier noch ergänzt werden, dass bei den Standard-Bounces eine Anzeige (i.d.R. von Vie od. War, da die anderen Einheiten gebunden sind), der erneute Zug War-Gal den militärischen Vorteil mitnimmt (und zudem R mit Gal-Rum sehr effizient umschwenken kann). Hier ist es die logische Fortsetzung des angezeigten Angriffs auf Ö.

Builds

Angesichts des türkischen Angriffs auf Rum nicht in Sev und/oder Mos zu bauen, ist überraschend. Natürlich kann R einfach die Konditionierung vergessen haben. Die anderen Manöver in Betracht gezogen, scheint es aber wahrscheinlicher, dass R bewusst ein weiteres Angebot an T macht. Evtl. hat er auch am ITA-Zug Tyr-Vie angeknüpft: 1) WENN I ® Ö, DANN +A StP, ... 2) Kein I-Angriff: WENN T ® Rum DANN ... u.s.f.

Die übliche Fortsetzung der Eröffnung R: Sev-Rum T: Ank-BLA wäre: WENN Rum supportet Bul angreift, DANN +F Sev. (siehe dazu Teil 1: RUS) BLA wird damit i.d.R. rückerobert, da T seinen wahrscheinlich einzigen Build kaum auf eine (hier) weitere F in Ank verwenden wird. Bedenken muss R jedoch, dass nach +F Sev eigentlich keine Chance mehr besteht, den R-T-Konflikt zu beenden. Wenn T +F Con baut, wird doppelt gebounct, ansonsten erobert R BLA zurück, dafür wird T Bul S Bud-Rum anzeigen, u.s.f. Eine +Armee Sev (insbes. mit +A Mos) würde den Süden ebenfalls verstärken allerdings T die Möglichkeit geben, auf ein RT umzuschwenken.

Auch die Armeen sind stark westlich orientiert. Prinzipiell ist +A War, +A Mos (ergänzt durch +A StP/+A Sev je nach Lage, da die A War oft erneut bounct) der Build-Befehl der Wahl im H01, da die Armeen in alle Richtungen einsetzbar sind. +A StP dient dazu (neben der Möglichkeit Swe gegen D zu erzwingen), den Norden gegen E: Nrg-Bar / Nwy-StP abzusichern oder geringfügig (Nwy) auszubauen, ohne jedoch E ernsthaft zu bedrohen. Hier dient es zudem als Signal an T bei intakter Möglichkeit, im Süden defensiv eingreifen zu können.

+F StP (sc) ist in aller Regel Unsinn, weil sie irreversibel und vorhersehbar nur zum Angriff auf D eingesetzt werden kann – es wird EF provoziert, D getötet, Skandinavien samt StP verloren und Ö/T zum Stab animiert wird. (Details mag der Leser für sich durchspielen) Sinnvoller ist da schon eine Flotte +F StP (nc), die rasch und gemeinsam mit der F Swe starken Druck auf E ausüben kann – jeder Build in StP ist jedoch nur bei einem stabilen od. zumindest nicht unmittelbar gefährdetem Süden ratsam (sinnvoll bspw. bei T [F01]: Ank-Con)

OSMANISCHES REICH

Bul – Rum. Con – Bul. Bla S Bul – Rum. +F Smy

Angesichts der russischen Eröffnung Sev-Rum hat T eigentlich den Finger am Drücker, er kann 1) R angreifen – 2x ® Rum oder Convoy nach Sev, was ohne einen Build aus Swe für R ein kurzes Spiel bedeutet – 2) abwarten oder 3) mit BLA-Con umgruppieren und gegen Ö ziehen / supporten: i.d.R: Bul S Rum-Ser (was hier zudem noch bedeutet: "Bring eine Arme nach Rum!" ) bei gleichzeitigem Con S Bul H. In unserer Partie entscheidet sich T für einen Angriff auf R. Ein amüsant anzusehende Anzeige ist Bul S Bul-Ser, was soviel bedeutet wie: "Supporte mich nach Ser".

Auf der anderen Seite könnte T auch davon ausgehen, dass Ö Tri decken wird – insbes. bei einem I-Angriff über Tyr & Ven kann Tri mit Alb-Tri S by Vie *bounce* verteidigt werden, und so bliebe Gre frei => Bul-Gre & Con-Bul mit der möglichen Folge BLA abziehen & Juggernaut. Allerdings weiß dies auch Ö und könnte versuchen, mit Ser-Gre die Kaskade zu bouncen (siehe oben). Die gleiche Situation entsteht übrigens bei der Sicherheitseröffnung Tri H bzw. Tri-Ven – siehe Teil 1: OEU.

Builds

T baut +F Smy, was angesichts des Angriffs auf R nicht ganz selbstverständlich ist. Die logische Folge, bei der sich T jedoch kompromisslos auf den Angriff festlegt, wäre eine +F Ank, die BLA supporten oder über Arm nach Sev ziehen kann. Die zweite Option ist eine flexiblere +F Con, die auch nach Westen sichert, allerdings geht dann die relativ stabile Situation Con S Bul H für einige Runden verloren. Die A Con muss zunächst nach Smy abziehen und die frische F Con zumindest in der Folgerunde entweder BLA supporten oder nach Aeg ziehen (evtl. mit Bounce).

Bedenken muss T unbedingt, dass es im Konflikt mit R und 2-Flotten-Bindung ein leichtes Ziel für einen Angriff von I/Ö oder I alleine darstellt. Folglich ist im Zweifel +F Smy immer der richtige Build im H01.

Schlussbemerkung

Entgegen meiner Absicht habe ich mich nun doch recht detailliert mit den Eröffnungsoptionen in NP beschäftigt. Auch hoffe ich, verständlich herausgearbeitet zu haben, dass NP ganz und gar nicht „verhandlungsfrei” ist, sondern – freilich durch die Brille des Brettes – sehr wohl kommuniziert wird – getrau dem Watzlawick’schen Grundsatz: "Man kann nicht nicht kommunizieren".

In den folgenden Teilen möchte ich dann nur noch exemplarisch Züge aufgreifen und die interessanten Kombinationen aufzeigen – dann wird’s auch kürzer ;o)

R beispielsweise hat bisher keine geringen Risiken auf sich genommen, um mit T ein Bündnis einzugehen. Bei I/Ö stellt sich die Frage, wie es weitergeht bzw. wie I dem armen Österreicher klarzumachen versucht, was es eigentlich von ihm will. Zuguterletzt wird sich zeigen, auf welcher Seite D in den E/F-Konflikt einsteigt, und mit welchen Aktionen er das tun wird.

In diesem Sinne, stay tuned.