Die tatz. Ausgabe 01/2007.

Feuilletatz
Interview mit dem Dirktator

Von Philip Groth

Hallo liebe Leser, unsere Interviewreihe beginnen wir mit keinem geringeren als den Chef-Ludomanen Dirk Hammann.

Dirktator Vielen Dank für diese einmalige Möglichkeit zu einem Interview…

Moin und danke für die Gelegenheit zur Stellungnahme. Ein arbeitsreiches Jahr liegt hinter uns. Lassen Sie mich daher zunächst Dank sagen an alle Ludomanen, die ständig mithelfen, mir meine Herrschaft so angenehm wie möglich zu machen. Soviel Zeit muss sein! Ich danke unseren Datenbank-Admins, meinen Mitweisen und Altweisen, Statistik- und Umfragehelden, FtFlern, Regelfreunden, Forenpostern, Variantenspezis und -bastlern, Moderatoren, Österreichern, Ligaleitern, DMlern, Strategikern,
Power- und Fungamern, Patentanten, Spielleitern. Danke, danke, danke.

Wenn Sie nur die folgenden Auswahlmöglichkeiten hätten, welche Anrede würden Sie für sich wählen?

  1. Oh Käpt’n, mein Käpt’n
  2. Großer Dirktator
  3. Chef aller Ludos
  4. D to the Irk

Grundsätzlich bin ich in ein großer Freund der artifiziellen Anrede, sie muss nur zur Situation passen. Neulich führte ich eine Diskussion über Frotteehandtücher. Da mochte ich's dann auch, wenn man Flutschi zu mir sagt. Dann gab's Partien, in denen ich als Balkontomate oder Mogelpackung aufgetreten bin. Oder ganz aktuell: Crystal Ball 12 – dort habe ich mir den Beinamen "der Beliebte" erarbeitet. Das freut mich dann sehr...

Wenn ein König käme und die absolute Herrschaft über das WWW beanspruchen würde, also auch über Ludomaniac, was würden Sie ihm sagen?

Gar nichts. Der kriegt die volle Härte des Systems zu spüren: Spielsperre, 2 Jahre Minimum, Rauswurf aus allen Partien, Sozialscoreabzug und Dackelbild ins Spielerprofil gestellt. Wer dann noch muckt, bekommt es mit Jan "Wadenbeißer" Baier zu tun.

Was halten Sie von rauchfreien Chat- und Forenräumen?

Wird sich nicht durchsetzen lassen. Vor Jahren habe ich mal versucht, der ausufernden Smileyflut im Chat Einhalt zu bieten, indem ich die ganzen Schrottsmileys – vom Raucher bis zur Waschmama – runter geworfen hab. Einen Tag später war der ganze Krempel wieder drin. Offenbar gehören Rauch-, Rauf- und Saufsmileys zu den Ikonen von Ludos Chatmafia. Ich bedaure sehr, aber meine Macht endet vor den Türen des Chatraums.

Vor kurzem wurde in Deutschland die Mehrwertsteuer erhöht. Wird es auch für die gebeutelten Ludomanen eine Steuererhöhung geben?

Jein. Ludo wird weder Vergnügungssteuer noch eine Dirktatoren-Abgabe verlangen. Möglich ist indes ein Sonderopfer „Rettet den EOG-Kommentar“. Die ehemals weit verbreitete Spezies zieht sich bei Ludo in immer entferntere Refugien zurück. Es ist an der Zeit, eine entsprechende Initiative zu starten und sein Überleben sicherzustellen.

Ein Wort zu den Vorwürfen, Sie würden undemokratisch regieren…

In imperio impera, wie der Lateiner sagt. Oder, um Otto Rehagel zu zitieren: Wer aufgestellt ist, muss spielen.

Einer der Herausgeber der Tatz startet im letzter Zeit immer wieder Putschversuche im Forum, wie ernst nehmen Sie solche Aufstände?

Substanzlose Vorhaltungen würdeloser Schreiberlinge. Statt allmonatlich umstürzlerische Popcorn-Threads zu starten, sollten sich die Macher des Dippy-Boulevards lieber den Themen zuwenden, von denen sie was verstehen, z.B. FTF-Schnuckel und diplomatische Mopsgeschichten aus Österreich.

Haben Sie eine Eingreiftruppe aufgestellt, die solche Vorstöße in Zukunft unterbindet?

Nun, sie verstehen, dass ich keine Einzelheiten nennen möchet. Lassen Sie mich nur soviel sagen: Tatz-Sympathisanten werden beobachtet. Mein Notizblock ist groß. Wer zu viele rote Striche hat, der bekommt Besuch von Ludos Doppelaccountwachmannschaft.

Werden Sie die Opfer solchen Festnahmen auf geheimen Webseiten foltern lassen? Falls ja, könnte die Tatz hierzu die Exklusivrechte zur Übertragung erhalten?

Das erledigen wir subtiler. Wer nicht lernfähig ist, bekommt seine Abreibung auf dem Spielfeld. Schauen Sie sich die Spiele meiner Mannschaft Werder Bremen auf Liga42.de an. Reihenweise bekommen die Querulanten dort die Hütte vollgehauen. Die Tatz ist gerne eingeladen, die fussballerische Demontage z.B. von Djurgårdens IF in der vergangenen Saison zu kommentieren!

Es wurde gemunkelt, dass Sie durch die Einnahmen der letzten Steuererhöhungen eine Palast-Webseite fern von Ludomaniac aufgezogen haben, mit goldenen Frames. Was können Sie uns hierzu sagen?

Nun, geredet wird viel. Tatsache ist, dass die kostspieligen Umbauarbeiten zum grün-weißen Layout anlässlich der Meisterfeier von Werder Bremen sowie die Startseiten-Modernisierungen im Zuge der diesjährigen Fussballweltmeisterschaft kaum Spielraum für eine umfassende Privatwebseite lassen. Leider gehen auch die Einnahmen aus den Lizenzgebühren meiner Wackelpudding-Seite seit Monaten zurück. Alles in allem ist die Finanzlage durchaus angespannt. Die goldenen Frames können Sie daher ganz zwanglos ins Reich der Mythen verorten.

Der kürzlich eingesetzte automatische ZAT-Reminder hat lange Zeit nach der Ankündigung noch nicht funktioniert. Sind das erste Anzeichen von Schwäche eines alternden Regierungschefs?

Kein Kommentar. Sehen Sie, einer der Vorteile der auf Ludo praktizierten Herrschaftsform des Wohnzimmerabsolutismus' ist, dass ich nicht jedermann Rechtfertigung schuldig bin.

Haben Sie sich denn die Nachfolgefrage schon mal gestellt?

Ich orientiere mich in dieser Frage nicht an alternde Politpromis vom Schlage Joschka Fischers oder Gerhard Schröders. Ich halte es da eher mit Fidel Castro und Papst Benedikt. Solange mich Groupies und Autogrammjäger umschwärmen, mach ich jedenfalls weiter.

Ein Wort zu Ihrer Einwanderungs- und Integrationspolitik von Spielern anderer Diplomacyseiten…

Immer wieder landen verzweifelte Spieler von Lepanto nach langen strapaziösen Reisen bei Ludomaniac. Nicht wenige von Ihnen werden angelockt von unseriösen Versprechungen, etwa tollen Highscoreplätzen und Partien nur mit Jungfrauen als Mitspielerinnen. Diese Spieler bilden ein nicht zu unterschätzendes Unruhepotenzial, zumal die Enttäuschten für die provokative Berichterstattung der tatz sehr empfänglich sind.
Aber: Die große Mehrheit der Immigranten sucht Spiel, Spaß und menschliche Spielleiter. Grundbedürfnisse, die nahezu jeder von uns verspürt. Wir auf Ludo setzen daher auf proaktive Maßnahmen zur Eingliederung der Einwanderer in den soziokulturellen Kontext der Community. So erhält z.B. jeder Neuankömmling ein Willkommensgeschenk in Höhe von 5 blank gewienerten Sozialpunkten.

Was hielten Sie von dem kürzlichen Vorstoß eines Jungludomanen, dem SL die Arbeit durch eigenes Ersatzspielerposting abzunehmen?

Nun, die Angelegenheit wurde von meinen Mitarbeitern zu meiner Zufriedenheit erledigt. Ich sehe hier keinen weiteren Handlungsbedarf.

Was halten Sie von einem Ludoweiten Feiertag zu Ihren Ehren?

... dringend notwendig. ...dringend notwendig. Jemand müsste mal eine richtige Bewegung gründen. Basisbewegt. Den Feiertag selbst könnte man tollen Events kombinieren: Ludos wählten mich zum schönsten Weisen, im Forum würde die wirklich-nur-mit-Vor-und-Nachname-posten-Woche ausgerufen, das Werder-Layout würde wieder ausgegraben und die tatz erschiene in einer Hochglanz-Extraausgabe, in der an die schönsten Momente der Lüneburger FTF-Geschichte erinnert würde.

Vielen Dank für das Gespräch.

Bitte, bitte. Ich liebe Euch alle!